Betriebsgenossenschaft
Hallenbad Altstetten
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Privatisierung setzte Stadt in Trab (Tages-Anzeiger 24.7.98)



Eine Genossenschaft führt das Hallenbad Altstetten günstiger als zuvor die Stadt. Die Gewerkschaften sind argwöhnisch, die Stadt hat ihre Lehren gezogen.

Von Martin Huber

Vor einem Jahr wurde das Hallenbad Altstetten wiedereröffnet, nachdem es der Stadtrat Ende 1996 aus Spargründen geschlossen hatte und es gar abbrechen wollte. Als Retterin in der Not war eine von Quartierbewohnern gegründete Betriebsgenossenschaft aufgetreten, die das Bad übernahm. Nach zähen Verhandlungen erklärte sich die Stadt bereit, den Betrieb drei Jahre lang mit jährlich 800 000 Franken zu unterstützen und ein Investitionsdarlehen von 1,5 Millionen Franken für Sanierungen zu gewähren.

Defizit um 40 Prozent verringert

Ein Jahr nach der Übernahme zieht Alfred Gnehm von der Betriebsgenossenschaft eine positive Bilanz: "Das Experiment verläuft erfolgreich." Das Budget habe eingehalten werden können, die Sanierung des Dachs und der Heizung sei abgeschlossen und Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung eingeleitet worden: Die Öffnungszeiten wurden leicht ausgedehnt, die Aussenanlage aufgewertet und das Restaurant wiedereröffnet.

Vor allem haben die privaten Betreiber laut Gnehm bewiesen, dass sich das Bad günstiger führen lässt. Das Defizit von 1,4 Millionen im Jahr sei um rund 40 Prozent auf 800 000 Franken reduziert worden. Damit spart die Stadt gegenüber früher rund 600 000 Franken. Sie subventioniert das Bad noch mit 2400 Franken im Tag.

Peter Vogt, Direktor des Amtes für Gesundheit und Umwelt, bestätigt, dass die Betreiber das Budget im ersten Betriebsjahr eingehalten hätten und das Bad einwandfrei laufe. Die Stadt überprüft regelmässig die Bücher der Genossenschaft. Vogt betont das "enorme Engagement" der Genossenschafter, denen das Hallenbad sein Weiterbestehen verdanke. Er warnt aber vor Euphorie: "Sie sind noch nicht über den Berg."

Auch Gnehm räumt gewisse Schwierigkeiten ein. So sei die Zahl der Eintritte zwar um vier Prozent erhöht, die geplante Steigerung um acht Prozent aber verfehlt worden. Im Schnitt besuchen täglich 350 Personen das Bad, derzeit knapp 300. Verzögert habe sich zudem der Bau der Sauna, und auch im Restaurant seien noch Verbesserungen nötig.

Weniger Personal, Abläufe optimiert

Dass die Genossenschaft günstiger produzieren kann, liegt in erster Linie an Einsparungen durch Personalabbau. Das Bad kommt jetzt mit 8 Stellen aus. Das sind drei Vollstellen weniger als früher. Nach Angaben von Gnehm fanden alle von der Rationalisierung betroffenen Badangestellten wieder eine Stelle. Die Löhne der jetzigen Mitarbeiter sind mit 4900 Franken tiefer als jene der städtischen. Mit dem Ziel, die Angestellten produktiver einzusetzen, wurden auch die Betriebsabläufe verändert. Gnehm: "Unter städtischer Leitung sass ein Badangestellter permanent im Kassenhäuschen. Unser Angestellter bedient neben der Kasse auch noch im Restaurant und nimmt so zusätzlich Geld ein." Oder: Die Badangestellten pflegen jetzt den Garten gleich selber. Zum besseren Ergebnis beigetragen haben auch die leicht erhöhten Besucherzahlen, Zusatzeinnahmen durch das Restaurant und die konjunkturelle Lage. Wegen tiefer Preise im Baugewerbe kamen die Sanierungen günstiger zu stehen als geplant. Zudem war die Betriebsgenossenschaft bei der Vergabe der Arbeiten an keine Submissionsverordnung gebunden.

Die Rationalisierungen im Hallenbad Altstetten sieht Alfred Gnehm als wegweisend für andere Bäder und Betriebe wie etwa die VBZ. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Stadt selber oder ein Privater tätig werde. Gnehm: "Wichtig ist der Wille zur Rationalisierung und zur Optimierung der Betriebsabläufe."

Die Stadt hat bereits Konsequenzen gezogen und für mehr unternehmerisches Denken im Bäderbereich gesorgt. Laut Peter Vogt bewirkte das Experiment in Altstetten einen "Innovationsschub" in der Abteilung Badeanlagen: Die Mitarbeiter hätten den Impuls erhalten, innovativer zu werden. Der gesamte Bäderbereich wurde laut Vogt reorganisiert, Personen aus der Privatwirtschaft wurden eingestellt. Beobachter bestätigen, dass ein eigentlicher Tornado durchs Amt gefegt sei.

Die Gewerkschaften verfolgen die Entwicklung skeptisch. Laut Alfred Gnehm ist der Personalabbau in Altstetten einigen Gewerkschaftern übel aufgestossen. Sie beklagen den Stellenabbau und kritisieren, es werde auf dem Buckel des Personals gespart. VPOD-Sekretär Heinz Jacobi: "Die Arbeitsbedingungen für das Personal sind schlechter geworden."

Die Genossenschaft will das Hallenbad auch die nächsten Jahre betreiben, wie Gnehm erklärte. Es soll weiter schrittweise saniert werden. Experten hätten bestätigt, dass es nicht abbruchreif sei, wie der Stadtrat einst befunden hatte. Als nächstes sollen Beleuchtung, Deckentragkonstruktion und Wasseraufbereitung erneuert und die Sauna gebaut werden.

Kombibad Letzigraben weiter aktuell

Über eine weitere finanzielle Unterstützung nach Ablauf der dreijährigen Frist führt die Genossenschaft Gespräche mit der Stadt. Gemäss Vogt ist diese bereit, eine entsprechende Vorlage auszuarbeiten. Das letzte Wort hätten die Stimmberechtigten. Möglich ist aber auch ein anderes Szenario. Demnach würde das Hallenbad als Übergangslösung nur noch so lange weitergeführt, bis das Kombibad Letzigraben realisiert ist. Die Idee für ein solches kombiniertes Hallen- und Freibad ist laut Vogt nach wie vor aktuell.




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